Gästebuch
Web Design

 (frei ins Hochdeutsche übersetzt, der Herausgeber Leopold G. Stein)

Die in “BLAU” gesetzten Texte sind der Versuch, den voran gegangenen Text ins Hochdeutsche zu übersetzten, sowie zum Vergleich die Sätze in ihrer Strukur zu belassen.

 

 

Die drei Jungfern
und die drei Ratsherrn,
oder
das große Kirchhorn-Knopf-Scheuern to Altona




Anstatt des Vorwortes.

"Ach gehet insgemein von denen holsteinischen Jungfrauen die Red: so eine solche merket, daz sie in Gefahr kompt, ein alte Jungpfer zu werden, maßen sich kein Freier vor ihr presentieret, steiget sie an einem Sambstag auff den Thurmb der Haupt-Kirchen und beginnt ihn fein säuberlich zu schüren, insbesondere den Knopp, bis selbiger ganz blank glänzet. Als wonach, wenn sie nun fein sittsamb in ihr Kämmerlein zurückkehret, sie daselbsten einen wohlconditonirten Freier antreffen wird.
 Ist aber zu merken: das dies nur denjenigten Weibsbildern arrivirt, als welche ihr Kränzlein bis Dato sorgsam bewahret und noch vor werkliche Jungfrawen passiren mögen."

                   (aus Johann H a f f t i z Couriositäten-Kammer,
                            1687, pag. 558.)


Anstatt des Vorwortes.

"Allgemein ist von den holsteinischen Jungfrauen die Rede: wenn eine solche merkt, daß sie Gefahr läuft, ein alte Jungfer zu werden, und sich ihr kein Freier präsentiert, so steigt sie an einem Sonnabend auf den Turm der Hauptkirche und beginne dort zu säubern, besonders die Kirchturmspitze, bis diese blank ist und glänzt. Kehrt sie nun sittsam in ihre Kammer zurück, so wird sie dort einen gut ausstaffierten Freier antreffen.
  Zu bemerken sei: das dies nur jenen Frauen passiert, welche bis dahin ihre Unschuld bewahrt hat und noch vorangegangen Jungfrauen vor ihr passieren hat lassen.


Düsse Geschichte het sick in Altonaa todragen un is wiß un wahrhaftig wahr, denn wenn se nich wahr wär, so har se sick nich todragen können und ick kunn se nich vertellen. Diese Geschichte hat sich in Altona zugetragen und ist gewiß wahr und wahrhaftig, denn wenn sie nicht wahr wäre, so hätte sie sich nicht zutragen können und ich könnte sie nicht erzählen.

Ick will se aber vertellen, wy se my myn Grootmoder vertellt het, de har se wedder von eer Grootmoder hört, und düsse Grootmoder er Grootmoder har dat sülvst mit erlewt. Ich will sie aber erzählen, weil sie mir meine Großmutter erzählt hat, die hat sie wieder von ihrer Großmutter gehört, und diese Großmutter ihre Großmutter hat das selbst miterlebt.

Dat was nemlich vor Hunnert un Dusend Jahren, als de schwedische General Steenbock ganz Altonaa afbrennt har, (woför he später an all siene Gleeder un Knaaken krumm un lahm worden is.) Das war nämlich vor hundert und tausend Jahren, als der schwedische General Steenbock ganz Altona abgebrennt hat, (wofr er später in all seinen Gliedern und Knochen krumm und lahm geworden ist.)

Da wör von Altonaa keen Steen up den Annern bleven und ok de groote Kark was heel ganz mit afbrennt. Da war von Altona kein Stein auf dem andern geblieben und auch die große Kirche war ganz mit abgebrannt.

Da heft sick de Borger von Altonaa tosom dohn un heft de Stadt wedder upbuut un veel schöner un gröter als se fröher wesen is. Da haben sich die Bürger von Altona zusammen getan und haben die Stadt wieder aufgebaut und viel schöner und größer als sie früher gewesen war.

   Un endlich heft se ook de groote Kark buut de noch bit up düssen Dag steih, un eben eenen nüen Thornknoop kreegen hett. Und endlich haben sie auch die große Kirche gebaut, die noch bis zu diesem Tag steht, und dazu einen neuen Turmknopf bekommen hat.

Als nu de groote Kark so wiet farig was, dat se den ersten Thornknoop bald upsetten kunnen, da het sick dat folgende toodragen. Als nun die große Kirche so weit fertig war, das sie den ersten Turmknopf bald aufsetzen könnten, da hat sich das Folgende zugetragen.

   In Altonaa leewten damals twee rieke Borger, de Eene hat Möller heeten un de Anner Meyer, un Möller un Meyer heft Jeder eene Dochter hat, un sünst weder Kind noch Kegel, weder Hund noch Katt mehr. In Altona lebten damals zwei reiche Bürger, der eine hat Möller geheißen und der andere Meyer, und Möller und Meyer hatten jeder eine Tochter gehabt, und sonst weder Kind noch Kegel, weder Hund noch Katze mehr.

Un in Hamborg da leewt ook en rieken Borger de het Puttfarken heeten, de har ook en Dochter, un weil nu de Ollen alle Dree goode Früünde wesen sind, so sind ook den Jungfern Meyer, Möller und Putfarken goode Früündinnen mit eenanner wesen, und bald heft de Meyersch und de Möllersch by de Puttfarken, bald de Puttfarken by de Meyerïsch un de Möllerïsch Visiten maakt, wo se immer tosaamen schnackt un wol ook en bitten klatscht heft, wie dat nu so Gewohnheit by de Fruunslüüd is, se mögt nu jung oder old sien. Und in Hamburg, da lebt auch ein reicher Bürger, der hat Puttfarken geheißen, der hatte auch eine Tochter, und weil nun die Alten gute Freunde miteinander waren, so sind auch die Jungfern Meyer, Möller und Puttfarken gute Freundinnen miteinander gewesen, und bald haben die Meyersche und die Möllersche bei der Puttfarken, bald die Puttfarken bei der Meyerïschen und der Möllerïschen Besuche gemacht, wo sie immer zusammen redeten und wohl auch ein bißchen klatschten, wie das nun so Gewohnheit bei den Frauensleuten ist, mögen sie nun jung oder alt sein.


   De dree Jungfern sind alle dree noch ganz jung wesen, so twischen Sößtein un Achttein Jahr, un in ganz Altonaa un Hamborg sünd keen dree Deerns mehr wesen, de dat wat de Schoinheit bedrabt, mit de Meyerïche, un de Möllerïsch un de Puttfarken harrn upnehmen kunnen. Die drei Jungfern sind alle drei noch ganz jung gewesen, so zwischen sechzehn und achtzehn Jahren, und in ganz Altona und Hamburg sind keine drei Mädchen mehr gewesen, die das, was die Schönheit betrifft, mit der Meyerïschen, und der Möllerïschen und der Puttfarken hätten aufnehmen können.

   Dat was all good, aber wat nich good was, dat is de gräuliche Stolz wesen, davon de dree Jungfern ganz un gar beseeten wören. Das war alles gut, aber was nicht gut ist, das ist der gräuliche Stolz gewesen, davon die drei Jungfern ganz und gar besessen waren.

Alle Dree heft eere lütten Neesen so hoch dragen, als ob se geborne Priszessinnen wesen wären, un richtig heft se enanner ook dat Word drup geve, datt se kee´n Annern heirathen wullen, als wenigstens eenen Rathsherrn. Alle Drei haben ihre kleinen Nasen so hoch getragen, als ob sie geborene Prinzessinen gewesen wären, und richtig haben sie einander auch das Wort darauf gegeben, das sie keinen Anderen heiraten wollen, als wenigstens einen Ratsherren.

   De jungen heiratslustigen Rathsherren kann man aber nich wie de Appeln und Zwetchen von de Bömm runner schütteln, un de Jungfern Meyer´sch, Möller´sch und Puttfarken harn bald noog markt, dat se wol noch eene goode Tiet töwen künnen, bit man een jungen Rathsherr Lust har antokloppen - un dree mußten dat doch sien, weil een Rathsherr nich dree Wiewer up Eenmal fryen kann. Die jungen heiratslustigen Ratsherren kann man aber nicht wie die Äpfel oder Zwetschgen (Pflaumen) von den Bäumen runter schütteln, und die Jungfrauen Meyer´sch, Möller´sch und Puttfarken haben sehr bald gemerkt, das sie wohl noch eine gute Zeit warten können, bis man ein junger Ratsherr Lust hat anzuklopfen - und drei müßten das doch sein, weil ein Ratsherr nicht drei Frauen auf einmal freien kann.

   Unnerdeß sind dree schmucke junge Gesellen na Altonaa kamen, de eene was ut Bremen, de twete ut Lübeck un de drtte ut Buxtehude, wo dat groote Wettlopen twischen den Haasen und den Schwienegel statt funden hett. Währenddessen sind drei schmucke junge Gesellen nach Altona gekommen, der eine war aus Bremen, der zweite aus Lübeck und der dritte aus Buxtehude, wo das große Wettlaufen zwischen dem Hasen und den Igel statt gefunden hat.

   Düsse jungen Gesellen wören braver Lüde Kinner un hatt dat Keenen an Moosen und Profeten fehlt, ook hebben se alle Dree eer goodes Geschäft hat, mit eenem Word: dat waren so nette Lüd, dat gewiß jede annere Deern in Altonaa un Hamborg mit beiden Händen togreepen har, wenn eener von de jungen Minschen eer eenen ordentlichen Heiradsandrag makt har. Diese jungen Gesellen waren braver Leute Kinder und es hat keinen an Moses und den Propheten gefehlt, auch haben sie alle Drei ein gutes Geschäft gehabt, mit einem Wort: das waren so nette Leute, das gewiß jedes andere Mädchen in Altona und Hamburg mit beiden Händen zugegriffen hätte, wenn einer von den jungen Menschen ihr einen ordentlichen Heiratsantrag gemacht hätte.

Awer wat denkt Jü? as nu de Bremer, de Lübecker un de Buxtehuder in düsse Angelegenheit - nemlich vun wegen dat Heiraden - by de Jungfern Meyer, Möller un Putfarken ankloppen, sünd de dree Deerns rein verdreit in´n Kopp, vertrecken dat Muul, rümpen de Snuut, kieken de jungen Männer von Kopp bit to de Föten an wie de Koh dat ne Dohr un geben tor Antwoord: "Wi heft nich Lust uns man so wegtoschmieten, gaht un seh´t to, datt Jü Rathsherrn war´t un denn kamt wedder und fragt mal an." Aber was denkt Ihr? als nun der Bremer, der Lübecker und der Buxtehuder in dieser Angelegenheit - nämlich von wegen dem Heiraten - bei den Jungfern Meyer, Möller und Puttfarken anklopfen, sind die drei Mädchen rein verdreht im Kopf, verziehen das Maul, rümpfen die Schnutte, beschauen die jungen Männer von Kopf bis zu den Füßen an wie die Kuh die neue Tür und geben zur Antwort: "Wir haben keine Lust uns man so wegzuschmeißen, geht und seht zu, das Ihr Ratsherren werdet und dann kommt wieder und fragt mal an."

Düsse schnöde Antwort up eenen goodgementen Andrag het de dree jungen Gesellen nich wenig verdroten, un de Lübecker hat seggt: "Wenn de Jungfern so lang töwen wöllt, bit wi Rathsherrn worden sünd, so kön´t se mynetwegen töwen, ick hef nich so lange Lust darto." Diese schnöde Antwort auf einen gutgemeinten Antrag hat die drei jungen Gesellen nicht wenig verdrossen, und der Lübecker hat gesagt: "Wenn die Jungfern so lange warten wollen, bis wir Ratsherren geworden sind, so könne sie meinetwegen warten, ich habe nicht so lange Lust dazu."

   De Bremer hat seggt: "Wegschmieten söllt sick de Jungfern nich, un wenn wi de Jungfern als ehrlicher Lüde Kinner nich anstahn, so danken wi för de Jungfern, wenn wi Rathsherrn worden sind." Der Bremer hat gesagt: "Wegschmeißen sollen sich die Jungfern nicht, und wenn wir die Jungfern als ehrlicher Leute Kinder nicht anstehen, so danken wir für die Jungfern, wenn wir Ratsherren geworden sind."

   Un de Buxtehuder hat seggt: "Ick will dat nich verschwören, bald Rathsherr to war´n, un alsdann wedder antofragen, ob Eene von de Jungfern my will, aber dat schwör ick, dat my Keene alsdann kriegt, se müt denn tovör den grooten Karkthorn Knopp an eenen Sünnabend spegelblank schürt heb´n." Und der Buxtehuder hat gesagt: "Ich will das nicht schwören, bald Ratsherr zu werden, und alsdann wieder anzufragen , ob eine von den Jungfern mich will, aber das schwör ich, das mich keine alsdann kriegt, sie muß vorher den großen Kirchturm Knopf an einem Sonnabend siegelblank gescheuert haben."

   Damit sünd de dree jungen Gesellen aftrullt. - De dree Jungfern, de Möller´sch, de Meyer´sch un de Puttfarken heft aber recht höhnisch hinner jöm herlacht. - Damit sind die drei jungen Gesellen abgegangen. - Die drei Jungfern, die Möller´sche, die Meyer´sche und die Puttfarken haben aber recht höhnisch hinter ihnen hergelacht. -
Aber dat Sprichwoord seggt: wer tolezt lacht, lacht am Besten! Aber das Sprichwort sagt: wer zuletzt lacht, lacht am besten!

 De dree hochneesigen Jungfern heft seeten un seeten, un töwt un töwt dat sick een Rathsherr als Freier instellen sull, aber man jo nich, keen Rathsherr hatt sick blicken laten, un als se dat endlich to spät insehn heft, un kleene bygaben, sühst du, da harrn se dat, denn nu wull keen Anner mehr anbieten, weil se dörch eere Hochneesigkeit dat mit allen Männern all lang´ verdorben har´n. Die drei hochnäsigen Jungfern haben gesessen und gesessen, und gewartet und gewartet das sich ein Ratsherr als Freier einstellen soll, aber man ja nicht, kein Ratsherr hat sich blicken lassen, und als sie das endlich zu spät eingesehen haben, und klein beigaben, siehst du, da haben sie das, denn nun will kein Anderer mehr anbieten, weil sie durch ihre Hochnäsigkeit das mit allen Männern schon lange verdorben hatten.

   Nu sünd se daran wesen olle Jungfern to blieven eer Lebenlang. - Da eenes Dags kriegen se up eenmal dree Visiten von dree Rathsherrn, un de dree Rathsherrn waren ut Bremen, ut Lübeck un Buxtehude. Nun sind sie dran gewesen, alte Jungfern zu bleiben ihr Lebenlang. - Da eines Tages kriegen sie mit einemmal drei Visiten von drei Ratsherrn, und die drei Ratsherrn waren aus Bremen, aus Lübeck und Buxtehude.

   De dree Jungfern, de Möller´sch, de Meyer´sch un de Putfarken heft de dree Rathsherrn glieck wedder erkennt, denn de harrn sick alle dree good conservert, un de Wahrheit to seggen, veel beter als de dree Jungfern, de unnerdeß recht olle Rööt worden wär´n. Die drei Jungfern, die Moller´sche, die Meyer´sche und die Puttfarken haben die drei Ratsherrn gleich wieder erkannt, denn die hatten sich alle drei gut erhalten, um die Wahrheit zu sagen, viel besser als die drei Jungfern, die unterdessen recht alte Ratten geworden sind.

   Dat wull aberst keene von de Jungfern nich glöben, - (nemlich dat se olle Rööt worïn wär´n) - un als se nu de dree Rathsherrn vor sick sehn, da krischten se hell up vör Freuden un dachten nich anners, als nu hung de Himmel vuller Vigellinen, un alle dree Rathsherrn würden man nu gliek eenen Andrag maken. Das wollte aber erst keine von den Jungfern nicht glauben, -(nämlich das sie alte Ratten geworden sind) - und als sie nun die drei Ratsherren vor sich sahen, da kreischten sie hell auf vor Freuden und dachten nicht anders, als nun hänge der Himmel voller Violinen, und alle drei Ratsherren würden man nun gleich einen Antrag machen.
Aber da harren sick tom wenigsten Twee gewaltig schneden, denn de Bremer seggt: "Rathsherr bin ich richtig worden, aber erst vor veer Wochen, Fru un Kinner hef ick aber all seit veertein Jahren." Aber da hatten sich zum wenigsten Zwei gewaltig geschnitten, denn der Bremer sagt: "Ratsherr bin ich erst richtig worden, aber erst vor vier Wochen, Frau und Kinder hab ich aber schon seit vierzehn Jahren."

   De Lübecker segt: "My is dat grad so gahn, un wi sind man ut oller Fürndschaft vör unsern Collegen ut Buxtehude mitkamen, um bi de Jungfern een goodes Woord vör em intoleggen." Der Lübecker sagt: "Mir ist das genau so ergangen, un wir sind man aus alter Feundschaft für unseren Kollegen aus Buxtehude mitgekommen, um bei den Jungfern ein gutes Wort für ihn einzulegen." Un de Buxtehuder seggt: "Ja! Rathsherr bin ick ock worden, aber Fru un Kinner hef ick noch nich, un wenn my nu eene von de schönen Jungfern will, so kann se so Gott will noch Fru Rathsherrn von Buxtehude war´n. Und der Buxtehuder sagt: "Ja! Ratsherr bin ich auch geworden, aber Frau und Kinder hab ich noch nicht, und wenn mich nun eine von den schönen Jungfern will, so kann sie, so Gott will, noch Frau Ratsherrin von Buxtehude werden."

   Da röpen de Möller´sch, de Meyer´sch un de Puttfarken wie ut eenem Munde: Ick, ick, ick will em nehmen Rathsherr! Da riefen die Möller´sche, die Meyer´sche und die Puttfarken wie aus einem Munde: Ich, ich, ich will ihn nehmen den Ratsherrn!

   Ja, seggen de Buxtehuder, Rathsherr, dat is wol recht good, aberst ick kann man eene Fru nehmen, un denn is nich to vergeeten, wat ick vor so un so veel Jahren schworen hef, nemlich datt de, de my heiraden will, tovör an eenen Sünnabend, den grooten Karkthorn-Knopp spegelblank schern mut. Ja, sagt der Buxtehuder, Ratsherr, das ist wohl recht gut, aber zuerst kann ich man nur eine Frau nehmen, und denn ist nicht zu vergessen, nämlich das die, die mich heiraten will, zuerst an einem Sonnabend, den großen Kirchturm-Knopf spiegelblank scheuern muß.

   Nu was an düssen Dag grade Sünnabend, un als de Möller´sch, de Meyer´sch und de Puttfarken hören wat de Buxtehuder seggt, rennen se alle Dree öber Hals un Kopp davon na de groote Kark, un geben den Köster keene Ruh, bit he de Thorndör upschlött. Nun war an diesem Tag gerade Sonnabend, und als die Möller´sche, die Meyer´sche und die Putfarken hören was der Buxtehuder sagt, rennen sie alle Drei Hals über Kopf davon nach der großen Kirche, und geben dem Köster keine Ruhe, bis er die Turmtür aufschließt.

   Un da klettern se alle Dree den ganzen Karkthorn rup bit unner den grooten Thornknopp, un fangen an em to schüüern von Morgens Klock Tein bit Abens Klock Söben, do was de Thornknopp spegelblank schüüert, un möd´ un matt kämen se wedder runner und lopen to Hus, wo de dree Rathsherrn ut Bremen, Lübeck un Buxtehude noch immer sitten. Und da klettern sie alle Drei den ganzen Kirchturm rauf, bis unter den großen Turmknopf, und fangen an ihn zu scheuern von Morgens um zehn Uhr bis Abends um sieben Uhr, da war der Turmknopf spiegelblank gescheuert, und müde und matt kamen sie wieder runter und liefen nach Haus, wo die drei Ratsherrn aus Bremen, Lübeck und Buxtehude noch immer sitzen.

   "De groote Karkthorn-Knopp is spegelblank schüüert," röpen alle dree Jungfern. "Der große Kirchturm-Knopf ist spiegelblang gescheuert," riefen alle drei Jungfern.
 
   "Dat is good," seggt de Buxtehuder Rathsherr, "wellke het em schüüert?" "Das ist gut," sagt der Buxtehuder Ratsherr, "welche hat ihn gescheuert?"

   "Ick! ick! ick!" schreen de Möller´sch, de Meyer´sch und de Putfarken. "Ich! ich! ich!" schrien die Möller´sche, die Meyer´sche und die Putfarken.

   "J, so schlag´ dat Weder darin," röpt ganz verdretlich de Rathsherr von Buxtehude, "wenn j alle Dree den Knopp schert heft, so stahn ja wedder de Ossen am Barg, denn nu kann ick ja Keene von j heiraden, wenn ick nich an Twee von j dat grööteste Unrecht doon will! - Ick seh woll: wenn ick keen ollen Junggesellïn bliewen will, so mutt ick my annerwärts een Fru söcken." "Ja, so schlägt das Wetter drein, "ruft ganz verdrießlich der Ratsherr von Buxtehude, "wenn ihr alle Drei den Knopf gescheuert habt, so stehen ja wieder die Ochsen am Berg, denn nun kann ich ja keine von ihnen heiraten, wenn ich nicht an Zweien von ihnen das größte Unrecht tun will! - Ich sehe wohl: wenn ich kein alter Junggeselle bleiben will, so muß ich mir anderwärts eine Frau suchen."

  Damit steiht de Buxtehuder Rathsherr vom Stohl up, geiht mit den Bremer un den Lübecker davon; - un de Möller´sch un de Meyer´sch ut Altonaa, un de Putfarken ut Hamburg bliwen sitten mit Gesichter, so lang wie Lewerenz sien Kind. Damit steht der Buxtehuder Ratsherr vom Stuhl auf, geht mit dem Bremer und dem Lübecker davon; - und die Möller´sche und die Meyer´sche aus Altona, und die Puttfarken aus Hamburg blieben sitzen mit Gesichtern, so lang wie Lewerenz sein Kind.

                           E n d e.


De Moral von düsse Geschichte is: Die Moral von dieser Geschichte ist:

datt se sick jede junge Deern wol to Harten nehmen mag, un dat is ganz egal, ob se een Senaters Dochter is oder ob eer Vader als Dagelöhner up Arbeit geiht, de Hauptsaak blivt immer de: Een junge Deern sall eere Nees nich to hoch dreegen un am Allerwenigsten, wenn een ehrlichen jungen un soliden Minschen als Freier bi eer ankloppt. das es sich jedes junge Mädchen wohl zu Herzen nehmen mag, und das ist ganz egal, ob sie eines Senators Tochter ist oder ob ihr Vater als Tagelöhner zur Arbeit geht, die Hauptsache bleibt immer die: Ein junges Mädchen soll ihre Nase nicht zu hoch tragen und am allerwenigsten, wenn ein ehrlicher junger und solider Mensch als Freier bei ihr anklopft. Ick will damit nich seggen, datt een junge Deern eenen Minschen, den se nich lieden kann, heiraden sall! Ne! Gott bewahre! so meen ick dat nich, denn ick weet ja! dat ut so eene Heirad blot Unfreeden un Unglück entstahn kunn! Ich will damit nicht sagen, das ein junges Mädchen einen Menschen, den sie nicht leiden kann, heiraten soll! Nein! Gott bewahre! so mein ich das nicht, denn ich weiß ja! das aus so einer Heirat bloß Unzufriedenheit und Unglück entstehen kann!

   Awer datt mutt doch woll eene recht alberne Putt-Goes sien, de eenen braven jungen Mann, de ook sien goodes Utkamen het, alleen darum de Döhr, de ook sien goodes Utkamen hett, allen darum de Döhr vör de Nees toschleit, weil he keen Rathsherr oder sünst wat Derglieken is. - Aber das muß doch wohl eine recht alberne Gans sein, die einen braven jungen Mann, der auch sein gutes Auskommen hat, allein darum die Tür vor der Nase zuschlägt, weil er kein Ratsherr oder sonst was dergleichen ist.-

   So een Jungfer "Baven ut un Nirgends an", mag doch joo bedenken: wie bald de Jugend un dat Bitten Schoinheit, worup se sick so veel inbild´t, fleuten geiht, un is de Jugend un de Schoinheit eenmal weg, so kummt se nich wedder un de Freyerlüd´- ook de Ollen - sind keene Narren, sick na eene oole Schachtel umtodohn, so lang´ dat Annerswo noch junge Deern´s noog giwt, de Gott danken, wenn sick eene ordentliche Besorgung find´t, is´t ook nich bi eenen Rathsherrn. So eine Jungfer "Oben raus und Nirgens an", mag doch ja bedenken: wie bald die Jugend und das bißchen Schönheit, worauf sie sich so viel einbildet, flöten geht, und ist die Jugend und die Schönheit einmal weg, so kommt sie nicht wieder und die Freiersleute - auch die Alten - sind keine Narren, sich nach einer alten Schachtel umzutun, so lange es anderswo noch junge Mädchen genug gibt, die Gott danken, wenn sich eine ordentliche Versorgung findet, ist auch nicht bei einem Ratsherrn.

   Also mine leewen jungen Deern´s! - süüd klook, wahrt jü vör Hochnäsigkeit, denn Hochmodh kummt vör´n Fall und dregt jü de lütten Zuckersnuuten to hoch, so is dat Wenigste watt jü begegen kann, datt jü am Enn´ sitten bliwt wie Jungfer Meyer und Jungfer Möller ut Altonaa, un Jungfer Puttfarken ut Hamborg. Also meine lieben jungen Mädchen! - seid klug, verwahrt euch vor Hochnäsigkeit, denn Hochmut kommt vor den Fall und tragt ihr die kleinen Zuckersnuten zu hoch, so ist das Wenigste was euch begegnen kann, das ihr am Ende sitzen bleibt, wie die Jungfer Meyer und die Jungfer Möller aus Altona, und Jungfer Puttfarken aus Hamburg.

   Doch ick besinn my eben, datt wy nich mehr in de Tyden leben, wo de jungen Deern´s noch so dumm un so hochneesig wören, als de Meyer´sch, de Möller´sch un de Puttfarken! - Nee! gewiß: Hüt´ to Dag sind de Deern´s klöker un bescheidener, un in Hamborg un Altona hev ick dat noch nich erleft, datt eene noch so feine Jungfer hev nich mit byden Händen togreepen harr, wenn een braven junggen Mann als Freyer by eer ankloppt het. Doch ich besinn mich eben, das wir nicht mehr in den Zeiten leben, wo die jungen Mädchen noch so dumm und so hochnäsig wären, als die Meyer´sche, die Möller´sche und die Puttfarken! - Nein! gewiß: Heut zu Tage sind die Mädchen klüger und bescheidener, und in Hamburg und Altona habe ich das noch nicht erlebt, das eine noch so feine Jungfer nicht mit beiden Händen zugegriffen hätte, wenn ein braver junger Mann als Freier bei ihr angeklopft hätte.

Druck von W. L. Anthes. 1855                        




E n d e.


 

[free-ebook24.de] [Lyser Original] [Platt-/ Hochdeutsch] [Plattdeutsch] [Hochdeutsch] [Zoologischer Garten zu Hamburg] [Gartenbauausstellung 1897] [Harriet M. Bennett] [Beleuchtung] [Reichs Post Reuter] [Bullenhuser Schleusenhaus]