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Die drei Jungfern
und die drei Ratsherrn,
oder
das große Kirchhorn-Knopf-Scheuern to Altona




Anstatt des Vorwortes.

"Ach gehet insgemein von denen holsteinischen Jungfrauen die Red: so eine solche merket, daz sie in Gefahr kompt, ein alte Jungpfer zu werden, maßen sich kein Freier vor ihr presentieret, steiget sie an einem Sambstag auff den Thurmb der Haupt-Kirchen und beginnt ihn fein säuberlich zu schüren, insbesondere den Knopp, bis selbiger ganz blank glänzet. Als wonach, wenn sie nun fein sittsamb in ihr Kämmerlein zurückkehret, sie daselbsten einen wohlconditonirten Freier antreffen wird.
 Ist aber zu merken: das dies nur denjenigten Weibsbildern arrivirt, als welche ihr Kränzlein bis Dato sorgsam bewahret und noch vor werkliche Jungfrawen passiren mögen."

                   (aus Johann H a f f t i z Couriositäten-Kammer,
                            1687, pag. 558.)


Düsse Geschichte het sick in Altonaa todragen un is wiß un wahrhaftig wahr, denn wenn se nich wahr wär, so har se sick nich todragen können und ick kunn se nich vertellen.


Ick will se aber vertellen, wy se my myn Grootmoder vertellt het, de har se wedder von eer Grootmoder hört, und düsse Grootmoder er Grootmoder har dat sülvst mit erlewt.

Dat was nemlich vor Hunnert un Dusend Jahren, als de schwedische General Steenbock ganz Altonaa afbrennt har, (woför he später an all siene Gleeder un Knaaken krumm un lahm worden is.)

Da wör von Altonaa keen Steen up den Annern bleven und ok de groote Kark was heel ganz mit afbrennt.


Da heft sick de Borger von Altonaa tosom dohn un heft de Stadt wedder upbuut un veel schöner un gröter als se fröher wesen is.

   Un endlich heft se ook de groote Kark buut de noch bit up düssen Dag steih, un eben eenen nüen Thornknoop kreegen hett.

Als nu de groote Kark so wiet farig was, dat se den ersten Thornknoop bald upsetten kunnen, da het sick dat folgende toodragen.

   In Altonaa leewten damals twee rieke Borger, de Eene hat Möller heeten un de Anner Meyer, un Möller un Meyer heft Jeder eene Dochter hat, un sünst weder Kind noch Kegel, weder Hund noch Katt mehr.

Un in Hamborg da leewt ook en rieken Borger de het Puttfarken heeten, de har ook en Dochter, un weil nu de Ollen alle Dree goode Früünde wesen sind, so sind ook den Jungfern Meyer, Möller und Putfarken goode Früündinnen mit eenanner wesen, und bald heft de Meyersch und de Möllersch by de Puttfarken, bald de Puttfarken by de Meyerïsch un de Möllerïsch Visiten maakt, wo se immer tosaamen schnackt un wol ook en bitten klatscht heft, wie dat nu so Gewohnheit by de Fruunslüüd is, se mögt nu jung oder old sien.


   De dree Jungfern sind alle dree noch ganz jung wesen, so twischen Sößtein un Achttein Jahr, un in ganz Altonaa un Hamborg sünd keen dree Deerns mehr wesen, de dat wat de Schoinheit bedrabt, mit de Meyerïche, un de Möllerïsch un de Puttfarken harrn upnehmen kunnen.

   Dat was all good, aber wat nich good was, dat is de gräuliche Stolz wesen, davon de dree Jungfern ganz un gar beseeten wören.

Alle Dree heft eere lütten Neesen so hoch dragen, als ob se geborne Priszessinnen wesen wären, un richtig heft se enanner ook dat Word drup geve, datt se kee´n Annern heirathen wullen, als wenigstens eenen Rathsherrn.

   De jungen heiratslustigen Rathsherren kann man aber nich wie de Appeln und Zwetchen von de Bömm runner schütteln, un de Jungfern Meyer´sch, Möller´sch und Puttfarken harn bald noog markt, dat se wol noch eene goode Tiet töwen künnen, bit man een jungen Rathsherr Lust har antokloppen - un dree mußten dat doch sien, weil een Rathsherr nich dree Wiewer up Eenmal fryen kann.

   Unnerdeß sind dree schmucke junge Gesellen na Altonaa kamen, de eene was ut Bremen, de twete ut Lübeck un de drtte ut Buxtehude, wo dat groote Wettlopen twischen den Haasen und den Schwienegel statt funden hett.

   Düsse jungen Gesellen wören braver Lüde Kinner un hatt dat Keenen an Moosen und Profeten fehlt, ook hebben se alle Dree eer goodes Geschäft hat, mit eenem Word: dat waren so nette Lüd, dat gewiß jede annere Deern in Altonaa un Hamborg mit beiden Händen togreepen har, wenn eener von de jungen Minschen eer eenen ordentlichen Heiradsandrag makt har.

Awer wat denkt Jü? as nu de Bremer, de Lübecker un de Buxtehuder in düsse Angelegenheit - nemlich vun wegen dat Heiraden - by de Jungfern Meyer, Möller un Putfarken ankloppen, sünd de dree Deerns rein verdreit in´n Kopp, vertrecken dat Muul, rümpen de Snuut, kieken de jungen Männer von Kopp bit to de Föten an wie de Koh dat ne Dohr un geben tor Antwoord: "Wi heft nich Lust uns man so wegtoschmieten, gaht un seh´t to, datt Jü Rathsherrn war´t un denn kamt wedder und fragt mal an."

Düsse schnöde Antwort up eenen goodgementen Andrag het de dree jungen Gesellen nich wenig verdroten, un de Lübecker hat seggt: "Wenn de Jungfern so lang töwen wöllt, bit wi Rathsherrn worden sünd, so kön´t se mynetwegen töwen, ick hef nich so lange Lust darto."

   De Bremer hat seggt: "Wegschmieten söllt sick de Jungfern nich, un wenn wi de Jungfern als ehrlicher Lüde Kinner nich anstahn, so danken wi för de Jungfern, wenn wi Rathsherrn worden sind."

   Un de Buxtehuder hat seggt: "Ick will dat nich verschwören, bald Rathsherr to war´n, un alsdann wedder antofragen, ob Eene von de Jungfern my will, aber dat schwör ick, dat my Keene alsdann kriegt, se müt denn tovör den grooten Karkthorn Knopp an eenen Sünnabend spegelblank schürt heb´n."

   Damit sünd de dree jungen Gesellen aftrullt. - De dree Jungfern, de Möller´sch, de Meyer´sch un de Puttfarken heft aber recht höhnisch hinner jöm herlacht. -
Aber dat Sprichwoord seggt: wer tolezt lacht, lacht am Besten!

 De dree hochneesigen Jungfern heft seeten un seeten, un töwt un töwt dat sick een Rathsherr als Freier instellen sull, aber man jo nich, keen Rathsherr hatt sick blicken laten, un als se dat endlich to spät insehn heft, un kleene bygaben, sühst du, da harrn se dat, denn nu wull keen Anner mehr anbieten, weil se dörch eere Hochneesigkeit dat mit allen Männern all lang´ verdorben har´n.

   Nu sünd se daran wesen olle Jungfern to blieven eer Lebenlang. - Da eenes Dags kriegen se up eenmal dree Visiten von dree Rathsherrn, un de dree Rathsherrn waren ut Bremen, ut Lübeck un Buxtehude.

   De dree Jungfern, de Möller´sch, de Meyer´sch un de Putfarken heft de dree Rathsherrn glieck wedder erkennt, denn de harrn sick alle dree good conservert, un de Wahrheit to seggen, veel beter als de dree Jungfern, de unnerdeß recht olle Rööt worden wär´n. 

   Dat wull aberst keene von de Jungfern nich glöben, - (nemlich dat se olle Rööt worïn wär´n) - un als se nu de dree Rathsherrn vor sick sehn, da krischten se hell up vör Freuden un dachten nich anners, als nu hung de Himmel vuller Vigellinen, un alle dree Rathsherrn würden man nu gliek eenen Andrag maken.
Aber da harren sick tom wenigsten Twee gewaltig schneden, denn de Bremer seggt: "Rathsherr bin ich richtig worden, aber erst vor veer Wochen, Fru un Kinner hef ick aber all seit veertein Jahren."

   De Lübecker segt: "My is dat grad so gahn, un wi sind man ut oller Fürndschaft vör unsern Collegen ut Buxtehude mitkamen, um bi de Jungfern een goodes Woord vör em intoleggen." Un de Buxtehuder seggt: "Ja! Rathsherr bin ick ock worden, aber Fru un Kinner hef ick noch nich, un wenn my nu eene von de schönen Jungfern will, so kann se so Gott will noch Fru Rathsherrn von Buxtehude war´n.

   Da röpen de Möller´sch, de Meyer´sch un de Puttfarken wie ut eenem Munde: Ick, ick, ick will em nehmen Rathsherr!

   Ja, seggen de Buxtehuder, Rathsherr, dat is wol recht good, aberst ick kann man eene Fru nehmen, un denn is nich to vergeeten, wat ick vor so un so veel Jahren schworen hef, nemlich datt de, de my heiraden will, tovör an eenen Sünnabend, den grooten Karkthorn-Knopp spegelblank schern mut.

   Nu was an düssen Dag grade Sünnabend, un als de Möller´sch, de Meyer´sch und de Puttfarken hören wat de Buxtehuder seggt, rennen se alle Dree öber Hals un Kopp davon na de groote Kark, un geben den Köster keene Ruh, bit he de Thorndör upschlött. 

   Un da klettern se alle Dree den ganzen Karkthorn rup bit unner den grooten Thornknopp, un fangen an em to schüüern von Morgens Klock Tein bit Abens Klock Söben, do was de Thornknopp spegelblank schüüert, un möd´ un matt kämen se wedder runner und lopen to Hus, wo de dree Rathsherrn ut Bremen, Lübeck un Buxtehude noch immer sitten.

   "De groote Karkthorn-Knopp is spegelblank schüüert," röpen alle dree Jungfern.
 
   "Dat is good," seggt de Buxtehuder Rathsherr, "wellke het em schüüert?"

   "Ick! ick! ick!" schreen de Möller´sch, de Meyer´sch und de Putfarken.

   "J, so schlag´ dat Weder darin," röpt ganz verdretlich de Rathsherr von Buxtehude, "wenn j alle Dree den Knopp schert heft, so stahn ja wedder de Ossen am Barg, denn nu kann ick ja Keene von j heiraden, wenn ick nich an Twee von j dat grööteste Unrecht doon will! - Ick seh woll: wenn ick keen ollen Junggesellïn bliewen will, so mutt ick my annerwärts een Fru söcken."

  Damit steiht de Buxtehuder Rathsherr vom Stohl up, geiht mit den Bremer un den Lübecker davon; - un de Möller´sch un de Meyer´sch ut Altonaa, un de Putfarken ut Hamburg bliwen sitten mit Gesichter, so lang wie Lewerenz sien Kind.

                           E n d e.


De Moral von düsse Geschichte is: datt se sick jede junge Deern wol to Harten nehmen mag, un dat is ganz egal, ob se een Senaters Dochter is oder ob eer Vader als Dagelöhner up Arbeit geiht, de Hauptsaak blivt immer de: Een junge Deern sall eere Nees nich to hoch dreegen un am Allerwenigsten, wenn een ehrlichen jungen un soliden Minschen als Freier bi eer ankloppt. Ick will damit nich seggen, datt een junge Deern eenen Minschen, den se nich lieden kann, heiraden sall! Ne! Gott bewahre! so meen ick dat nich, denn ick weet ja! dat ut so eene Heirad blot Unfreeden un Unglück entstahn kunn!

   Awer datt mutt doch woll eene recht alberne Putt-Goes sien, de eenen braven jungen Mann, de ook sien goodes Utkamen het, alleen darum de Döhr, de ook sien goodes Utkamen hett, allen darum de Döhr vör de Nees toschleit, weil he keen Rathsherr oder sünst wat Derglieken is. -

   So een Jungfer "Baven ut un Nirgends an", mag doch joo bedenken: wie bald de Jugend un dat Bitten Schoinheit, worup se sick so veel inbild´t, fleuten geiht, un is de Jugend un de Schoinheit eenmal weg, so kummt se nich wedder un de Freyerlüd´- ook de Ollen - sind keene Narren, sick na eene oole Schachtel umtodohn, so lang´ dat Annerswo noch junge Deern´s noog giwt, de Gott danken, wenn sick eene ordentliche Besorgung find´t, is´t ook nich bi eenen Rathsherrn.

   Also mine leewen jungen Deern´s! - süüd klook, wahrt jü vör Hochnäsigkeit, denn Hochmodh kummt vör´n Fall und dregt jü de lütten Zuckersnuuten to hoch, so is dat Wenigste watt jü begegen kann, datt jü am Enn´ sitten bliwt wie Jungfer Meyer und Jungfer Möller ut Altonaa, un Jungfer Puttfarken ut Hamborg. 

   Doch ick besinn my eben, datt wy nich mehr in de Tyden leben, wo de jungen Deern´s noch so dumm un so hochneesig wören, als de Meyer´sch, de Möller´sch un de Puttfarken! - Nee! gewiß: Hüt´ to Dag sind de Deern´s klöker un bescheidener, un in Hamborg un Altona hev ick dat noch nich erleft, datt eene noch so feine Jungfer hev nich mit byden Händen togreepen harr, wenn een braven junggen Mann als Freyer by eer ankloppt het.

Druck von W. L. Anthes. 1855                        




E n d e.


 

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